Die heutige Ortschaft Sipplingen ist hochwassersicher am Hang oberhalb des Ufers errichtet. Jahrtausende zuvor wurde eine andere Wohnsituation bevorzugt und direkt auf der 100 bis 150 m breiten, oftmals überfluteten Strandplatte gesiedelt.
Zum Schutz vor dem Wasser standen die Häuser auf Pfählen, so dass der Fußboden vom Untergrund abgehoben wurde. Die Sipplinger Bucht mit ihrem ausgedehntem Südhang im Hinterland war ein beliebter Siedelplatz. Bis heute sind Reste von rund 20 Dörfern bekannt, die seit der Jungsteinzeit von 3919 v. Chr. bis in die späte Bronzezeit um 933 v. Chr. mit einigen Unterbrechungen in der Flachwasserzone vor Sipplingen errichtet worden waren.
Seit ihrer Entdeckung im Winter 1864/65 fanden die Pfahlbauten in der Sipplinger Bucht weit über die Bodenseeregion hinaus Beachtung. Während anfangs vor allem die Bergung der Fundstücke von Interesse war, erbringen heute systematische Ausgrabungen des Landesamtes für Denkmalpflege wesentliche Erkenntnisse zum Wandel der Siedlungen, ihrer Wirtschaft und Umwelt über einen Zeitraum von 3000 Jahren hin.
Die außergewöhnlich große Zahl der auf engen Raum erhaltenen Siedlungen und ihr hervorragender Erhaltungszustand verleihen der Bucht vor Sipplingen eine herausragende Stellung unter den archäologischen Kulturdenkmalen nördlich der Alpen.
Daher gewinnen zunehmend Maßnahmen zum Schutz der Pfahlbauten an Bedeutung, um Reservate für künftige Forschungen zu erhalten.
Erste wissenschaftliche Untersuchungen erfolgten in den Jahren 1929/30 durch Hans Reinerth, der mit Hilfe eines 22 x 22m großem Ausgrabungskastens (Caisson) inmitten der Flachwasserzone eine größere Fläche trockenlegen und erforschen konnte. Nach der Durchführung dieses einzigartigen Projekts kam die Untersuchung der Sipplinger Pfahlbauten jedoch über 50 Jahre zum erliegen.
Zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Erforschung der Pfahlbauten mit Hilfe moderner Technik wieder aufgebaut. Seitdem werden Flachwasserzonen während der Wintermonate durch Taucher untersucht und von der Erosion besonders gefährdete Schichten ausgegraben und dokumentiert.
Erst 1 % des Kulturdenkmals unter Wasser ist bis heute wissenschaftlich erforscht.
Text und Bilder: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart