Erfassung

Texte: Elisabeth Lohrer, Ehrenamtliche Referentin für Geschichte und Dorfentwicklung der Gemeinde Sipplingen
Bilder: Siegfried Lohrer
Quellen:

Archiv der Gemeinde Sipplingen,
Archiv der kath. Pfarrkirche Sipplingen
Buch Sipplingen am Bodensee 1967, Herbert Berner
Buch Geschichte eines Dorfes und seiner Umgebung 1906, Josef Zimmermann
Artikel von Geistl. Rat Joh. N. Schatz
Archive – Bodenseekreis, Freiburg, Karlsruhe, Sigmaringen
Landesarchiv Baden-Württemberg
Archiv Lohrer

Projektende:September 2023

Wirtschaftliche und finanzielle Situation des Klosters St. Ulrich in der zweiten Hälfte des 18. Jh.

Die wirtschaftliche Lage des Klosters wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jhdt. immer schwieriger. Es verarmte trotz umfangreichem Grundbesitz und verschuldete langsam.

Die Oberin ersuchte 1773 die vorderösterreichische Regierung in Freiburg um Verleihung des Sammlungspatentes, um den Verfall des Klosters aufzuhalten. Die Regierung gewährte damals ein jährliches Almosen von 2 Malter Kernen. Eine von Freiburg abgeordnete Kommission ließ sich in Sipplingen alle Klosterrechnungen vorlegen und prüfte sie. Die durchschnittliche Belegung des Klosters betrug damals 18 – 18 Schwestern.

1773 befanden sich 14 Schwestern im Kloster, nämlich die Mutter Maria Johanna Schellerin 68 Jahre, Maria Franziska Herzog 78 Jahre, Maria Illuminata Dobler 70 Jahre, Waldburga Mayer 66 Jahre, Maria Xaveria Froschmann 63 Jahre, Maria Rosa Fischer 61 Jahre, Maria Elisabeth Fröhlich 37 Jahre, Maria Theresia Kerter 30 Jahre, Maria Bonaventura Biller von Sipplingen 29 Jahre, Maria Antonia Kircher 33 Jahre, Maria Josefa Rogg 27 Jahre, Maria Clara Kaufmann 27 Jahre, Maria Hyacintha Kaufmann 28 Jahre, Maria Creszentia Schlichting 21 Jahre.

Der erste Vorname der Schwestern lautete immer Maria.

Die Gebäude und Liegenschaften wurden mit 34 580 Gulden bewertet, die Summe der Schulden mit 7 883 Gulden benannt. So dass immer noch ein Aktivum von 26 697 Gulden verblieb.

Dem Kloster fielen durch Stiftungen 3 457 Gulden zu.

Die Zahl der Klosterfrauen betrug in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts:

Jahr Zahl der Schwestern Oberin

1755 15 Maria Eva Katharina

1765 10 Maria Anna Johanna Scherler

1773 14 Maria Anna Johanna Scherler

1779 7 Maria Bonaventura Biller

von Sipplingen

Besitzverhältnisse des Klosters St. Ulrich

anno 1393 de anno 1730 renoviert

Nach einer „Copia des fundations buochs de anno 1393 de anno 1730 renoviert“ bezog das Gotteshaus St. Ulrich in Sipplingen in den Gewannen
„In den Lauppen, Rinnenspitz, im Feigle, im Reckholderbühl, im Steinacker, im Bächlen, Elternried“ und auf dem „Kastler“ Weinbodenzinse, im Gewann „Tiefental“ Geldbodenzinse.

Als Eigentümer und Weingärten werden aufgezählt 2 Hofstatt Kloster und Einfang an der Karrenstraße, die jährlich 10 Schillinge an die Kirchenfabrik Überlingen, 22 Kreuzer an das Kloster Salem und 6 Pfennige und 2 Eimer Wein an die Heiligenfabrik Sipplingen gaben; ½ Hofstatt im „Breitenweingarten“,
2 ¾ Hofstatt Baum- und Rebgärten; Reben im Breitenweingarten, in der Lauppen, im Neusatz, in der Glaffen, im Hohfelser, in der Köstenen, in der Spraiten, im Steinacker, unter Himberg, im Riesenmoos, im Sippang, auf der Steig und im Steinacker.

Nach dem Extrakt vom 6. Oktober 1730 besaß das Kloster St. Ulrich an Grundbesitz 65 Hofstatt 112 Ruthen oder 10 ¾ Juchart eigene Güter.

Das Kloster hatte auch einen Hof in Kalkofen, den es von der aus Sipplingen gebürtigen Klosterfrau Maria Caroline Maylin erbte.
Dieser Hof, der als Lehen vergeben wurde, entrichtete jährlich 3 Malter Veesen, 2 Malter Hafer, 1 Viertel Erbsen, 1 Gulden 42 Kreuzer Heugeld, 6 Hühner und 2 Hennen, sowie 120 Stück Eier.
Darüber hinaus erbte das Kloster ebenfalls von Schwester Maylin 8 Juchart Holz auf dem „Kaien“ zwischen Nesslewangen und Bonndorf.

Das Nonnen-Kloster St. Ulrich

Auf dem Gemeindegebiet befand sich, seit 1400 nachweisbar, ein Kloster der Franziskanerinnen – der Terziarinnen – dem 3. Franziskanischen Orden im Gewann „Ob den Erlen“ heute immer noch Nonnenebene.
Ab dem 16. Jh. Ansiedelung der Frauen im Dorf selber mit einem richtigen monumentalen Klosterbau. Verschiedenen Brandunglücke und Wiederaufbauten begleiteten die Frauen über die Zeiten hinweg.
Heute ist das Gebäude des ehemaligen Klosters St. Ulrich ein schlichter, aber mächtiger Bau, in dem sich das Gasthaus „Adler“ und 5 weitere Wohneinheiten befinden.
Das Gebäude erinnert an die reiche Vergangenheit und Geschichte dieses Klosters.
Der eigentliche geschichtliche Ausgangspunkt ist die Niederlassung eines Einsiedlers.

Am 18. Juni 1393 liehen die Ritter Burkhard und Walther von Hohenfels dem Priester Konrad Keller von Steißlingen eine Hofstatt oberhalb Sipplingens im „Lutzental“, damit er dort ein Häuslein und eine Kapelle bauen könne. Der Priester Keller musste für die Nutzung dieses Grundstückes jährlich 2 Pfennige Zins geben.
Die Gründungsurkunde dieses Klösterleins, zu den „Erlen“ genannt, ist im GLA erhalten und kann in dieser Abschrift zu lesen sein.

Bruder Keller konnte in dieser Einsiedelei anscheinend nicht die Ruhe zum ungestörten Nachdenken finden, und verließ um 1400 die Einsiedelei und übergab das Häuschen und die Kapelle zwei ihm verwandten Jungfrauen, die dem Dritten Orden Franzisci in Überlingen angehörten.
Der Komtur der Deutschordenskommende Altshausen welche in der Nähe der Einsiedelei Besitzungen hatte, gab den Ordensfrauen noch etwas Land, Zehnten und Zinsen zur Bestreitung des Lebensunterhaltes.
Mit der Ansiedelung der Klosterfrauen verband sich im Volksmund nunmehr die Bezeichnung „Nonnenebene“, ein Flurname, wie er heute noch besteht.
Zunächst hieß das Kloster immer noch „Ob den Erlen“.
Die Ausstattung des Klosters bestand im 15. Und 16. Jahrhundert aus zahlreichen Eigengütern und Zinsen, die in Sipplingen und Bonndorf bestanden.
Unter anderem ein Haus mit zwei Stuben, Hofraite und Krautgarten, befand sich „auf dem Blaz“ in Sipplingen.
Das Haus auf dem „Blatzerteil“ wurde 1538 erbaut und von Jakob Beurer um 800 Gulden an die Klosterfrauen verkauft. – heutiges Klostergelände!!!
Eine Hofstatt in den Bergen (wohl Erlen gemeint) erhielten die Klosterfrauen nach dem Stiftungsbrief von 1393 von der Herrschaft Hohenfels und der Gemeinde.
Bauersleute bebauten die Gärten und Rebgüter um den halben Ertrag für die Klosterfrauen.
Es waren in Sipplingen 22 ½ Hofstatt Reben, der Kelnhof in Bonndorf und darüber hinaus zahlreiche Äcker die dem Kloster zehntbar waren.

1 Hofstatt – festgelegtes Maß – ca. 7 ar – siehe Hofstatt Überlingen – als Größenbeispiel

Eine gesonderte Auflistung der Güter und Besitztümer können Sie in einer Auflistung lesen.
Die Klosterfrauen hatten bis Ende des 15. Jhdt. schon so viel Vermögen erworben, dass sie Darlehen geben konnten.
Ein Beispiel: 1478 liehen sie dem Hanns Stuck, genannt Stubhart von Bonndorf, 40 Pfund Pfennig.
Er überschrieb ihnen dafür seine Äcker, Baumgärten und Güter im Umfang von 5 Juchart Acker, an der Heerstraße liegend, und 2 ½ Juchart Äcker bei Nesselwangen. Dies ging dann auch in den Besitz des Klosters über.

1530 werden Bestrebungen wach, das Kloster Sipplingen aufzulösen.
Es befanden sich nicht mehr als vier Ordensfrauen im Kloster Sipplingen, und der Landkomtur des Deutschritterordens ließ keine weiteren Personen mehr in das Kloster zu.
Das Kloster stand seit Beginn des 15. Jhdt. unter dem Schutz und Schirm der Landgrafschaft Nellenburg.
Da das Kloster der Erziehung zur Gottesfurcht diene, befürwortete man seine Erhaltung.
Am 27. September 1533 beschwerten sich die Klosterfrauen über den Landkomtur bei der österr. Regierung in Innsbruck, die auf der Erhaltung des Frauenklosters bestand.
In den folgenden Jhdt. der Klostergeschichte erhoben immer wieder die Deutschordensritter zu Altshausen, wohl aus der Rechtsnachfolge der Herren von Hohenfels, Ansprüche auf die Pflegschaft über das Kloster.

Eine Regelung der Pflegschaft ergab sich erst mit dem zwischen dem Erzherzog von Österreich und den Deutschordensrittern zu Altshausen am 20. September 1591 abgeschlossenen Vertrag an, wonach die Pflegschaft über das Klösterlein Erlen 3 Pflegern aus der Gemeinde Sipplingen, zwei Beamten der Landgrafschaft Nellenburg und einem weiteren Pfleger den der Landkomtur des Deutschritterordens zu Altshausen stellte, zustand.
Den Pflegern oblag die Verwaltung des Vermögens und des Güterbesitzes des Klosters die Verwahrung der Gelder, Register und Briefe und die Führung der Rechnungen. Die Klosterfrauen hatten also selber wenig Rechte und Möglichkeiten das Eigentum zu verwalten und mussten ständig auch auf der Hut sein, dass ihnen ihr Eigentum nicht geschmälert wurde.

Mittlerweile mehrte sich die Zahl der Schwestern, so dass es sich als ein respektables Kloster präsentierte.

Während des Bauernkrieges soll 1525 das Kloster zerstört worden sein.
Dabei wurden auch die Güter des Klosters verwüstet.
Am St. – Otmars-Abend 1556 brannte das Kloster bis auf die Grundmauern nieder. Die Schwestern, die bis dahin das Klösterlein in den Erlen bewohnten, verließen ihre bisherige Wirkungsstätte und begaben sich ins Dorf, wo sie ein Haus hinter dem Gebäude des Spitals Überlingen bezogen.
Die Nonnen hausten in diesem Gebäude bis zu Beginn des 17. Jhdt.
1607 richtete der Provinzial Bruder Laurentius an den Deutschordenskomtur von Altshausen und die kaiserlichen Präfekten zu Stockach die Bitte, sie möchten das Kloster Sipplingen wieder herstellen lassen und für den Unterhalt der Klosterfrauen Sorge tragen.
Der damalige Vogt von Neu-Hohenfels, Cornelius Han, ließ als Vertreter des Deutschordens nunmehr ein neues Klostergebäude errichten.
Am 8. September 1607 nahm der Ordensprovinzial unter großen Feierlichkeiten und im Beisein des kaiserlichen Präfekten das Kloster in Besitz und besetzte es mit sechs Schwestern aus anderen Klöstern.
Zwei Schwestern kamen aus Wespach bei Neufrach, zwei aus dem St. Gallen Kloster in Überlingen und zwei aus einem anderen Kloster.
Zwei Jungfrauen traten zugleich als Novizinnen ein.
Als Mutter des Hauses setzte der Provinzial die Schwester Barbara Sönlin aus dem Kloster Wespach ein.
1650 brannte das Kloster erneut ab und die Nonnen bauten es abermals mit großem Kostenaufwand auf.
1703 gestatte Bischof Marquart von Roth zu Konstanz, dass in der Klosterkirche das Allerheiligste beständig aufbewahrt werden dürfe.
Nachdem das Kloster wiederum einem Brand zum Opfer gefallen war und es an Mitteln zum Neubau fehlte, mussten die Klosterfrauen im Dorf in verschiedenen Häusern untergebracht werden.
Im Jahre 1707 zogen sie in das Haus des Cornelius Zom und 1722 bauten sie auf der Brandstätte mit Unterstützung verschiedener Wohltäter ein neues Kloster. '
Die Finanzierung gestaltete sich schwierig und brachte eine große Schuldenlast.1726 starb die Mutter des Klosters, und die Nonnen wählten im Juni 1726 in geheimer Wahl die Schwester Maria Anna Katharine Zech zur neuen Oberin. Die neue Oberin war sehr streitbar und verteidigte mit viel Energie die Rechte ihres Klosters gegen die Behörden und vor allem gegen den damaligen Pfarrer Schelldorf, der allerlei Schwierigkeiten bereitete.
Pfarrer Schelldorf in Sipplingen Pfarrer von 1718-1751 – er kam mit 41 Jahren

Die neue Oberin legte eine Klosterchronik an, die von Joh. N. Schatz 1930 veröffentlicht wurde und der Sie von 1726 – 1780 anschließend folgen können.
In dieser Chronik wird berichtet über die Angst vor den Franzosen die 1733 bei Kehl den Rhein überschritten haben.
Ständige Einquartierungen und Belastungen im und für das Kloster sowie der Gemeinde Sipplingen.
Über schlechte Weinjahre – teures Korn – Brandkatastrophen usw.
Über diese belastete Zeit berichtet auch das Votivbild in der Pfarrkirche rechts vom Hauptgang – wie die „Schwarze Madonna von Bodman“ über Sipplingen wacht – darunter die französischen und österreichischen Soldaten.
Das Votivbild gestiftet von Pfarrer Hütlin 1820 wurde von Wendelin Moosbrugger aus Konstanz gemalt.

Mitten in diesen ganzen Nöten war die Pfarrkirche St. Martin und St. Georg derart ruinös geworden, dass eine Renovation unbedingt notwendig war und nicht mehr länger hinausgeschoben werden konnte.
Der geplante Neubau scheiterte an der Notlage der Zehntberechtigten wie auch der Gemeinde.
So wurde halt geflickt, eine zweite Empore eingebaut und die Kirche in den Größenverhältnissen und Bauformen hergestellt, wie sie heute noch ist.
Vom 1. Mai bis Herbst des Jahres 1746 fand nun der gesamte Pfarrgottesdienst an Sonn- und Werktagen in der Klosterkirche statt.
Die Pfarrei versprach, für etwaigen Schaden in der Klosterkirche aufzukommen.

Die wirtschaftliche Lage des Klosters wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jhdt. Immer schwieriger; es verarmte trotz umfangreichem Grundbesitz und verschuldete langsam.
Die Oberin ersuchte 1773 die vorderösterreichische Regierung in Freiburg um Verleihung des Sammlungspatentes, um den Verfall des Klosters aufzuhalten.
Eine von Freiburg abgeordnete Kommission ließ sich in Sipplingen alle Klosterrechnungen vorlegen und prüfte sie.
Die durchschnittliche Belegung des Klosters betrug damals 14 – 18 Schwestern.
1773 befanden sich 14 Schwestern im Kloster.
Die Kommission konnte außer einigen Rechnungen nicht viel vorfinden; Kriegsereignisse hatten die Klosterschriften vernichtet.
Die Gebäude und Liegenschaften wurden mit 34 580 Gulden bewertet, die Summe der Schulden mit 7 883 Gulden benannt, so dass immer noch ein Aktivum von 26 697 Gulden verblieb.
Dem Kloster fielen gesamt durch Stiftungen 3 457 Gulden zu.

Als 1780 die Not des Klosters am größten war, mussten mehrere Klosterfrauen in anderen Klöstern untergebracht werden.
Die Reformen des österr. Kaisers Joseph II. (1765 – 1790) brachten große Veränderungen mit sich.

Das 1781 veröffentlichte Toleranzedikt verkündete die Glaubensfreiheit.
Die Aufklärer sahen die Klöster als unnütz und verfügten deren Aufhebung, infolge deren Vermögen dem Religionsfonds zufiel.

1782 wurde das Kloster St. Ulrich aufgelöst.
In der Zeit war Pfarrer Johann Caspar Bach in Sipplingen Priester.

In den frühen Morgenstunden kamen der Pfarrherr und ein Vertreter des neu gegründeten Religionsfondes des Oberamtes Stockach mit Schreiber und Aufsicht zur Klosterpforte und teilten den überraschten Schwestern mit, dass hiermit das Kloster aufgelöst wird.
Von jetzt auf gleich waren die Frauen ihrer Heimat und Sicherheit beraubt. Es wurde mitgeteilt, dass sie wählen konnten zwischen einem privaten Leben oder weiterhin Kloster aber irgendwo anders.
Alle 14 Schwestern aus Sipplingen entschieden sich für ein privates Leben.
Von der Stunde an mussten die Frauen für ihre Verpflegung selber sorgen und aufschreiben was sie aus ihrem eigenen Keller und von den Vorräten aufbrauchten, damit dies dann verrechnet werden konnte!
Innerhalb einer kurzen gesetzten Frist mussten alle aus ihrer gewohnten Umgebung ausziehen.

Als Nachfolger kam Pfarrer Johann Baptist Labhart. Er war ein eifriger Förderer und Verfechter der Aufklärung.
Er war Pfarrer von 1785-1792 in Sipplingen – er hat alle Kapellen profaniert und die Bruderschaften aufgehoben.
Pfarrer Labhart exsekrierte 1785 die Leprosen Kapelle in der Spraite.

Das „Leprosenkreuz“ als Überbleibsel des im 12. Jh. gegründeten Leprosen- und Armenfondes, befindet sich als Repräsentant einer großzügigen Stiftung die über 800 Jahre hinweg das Leben und Sein der Menschen in unserer Gemeinde geprägt und manche Armut gelindert hat, heute im historischen Rathaussaal – Im Februar 1950 wurde die Auflösung des Schul- und Armenfondes beschlossen und dessen Vermögen mit dem Gemeindevermögen verschmolzen.
Das Stiftungsvermögen betrug vor der Währungsreform 1948 noch 6.464,39 RM – nach der Umstellung noch 402,00 DM
Das letzte Geld wurde noch für den Bau des Kindergartens bei der Kirche verwendet.
1788 auch die Jakobskapelle im Hörnle – Missionskreuz in der Pfarrkirche.
Das Kreuz kam 1912 anlässlich einer Mission aus Privatbesitz wieder in die Kirche zurück.

Das nun leerstehende Klostergebäude blieb einige Jahre unbewohnt.
1788 erwarb der Wurzelgräber Xaver Häubtler die Kapelle des Klosters zum Kaufpreis von 230 Gulden.

Ein Teil des Klostergebäudes wurde ab 1811 als Gastwirtschaft benutzt.

Die Taferngerechtigkeit und Personal Wirtschaftsgerechtigkeit im 19. Jh. ist so vielfältig – dass wir uns zu diesem Thema – Gasthäuser und Ausschänke in Sipplingen eventuell wieder einmal treffen.

Ein Satz noch dazu: Als der Neubau der Schule am heutigen Standort Schulstrasse 1911 – in Planung war, war einer der Gründe gegen den Standort, dass die Schüler an der Gaststätte „Schwarzer Adler“ immer vorbei gehen müssen.
Dies wäre den Kindern nicht zumutbar und ein schlechtes Vorbild!

Einnahmen und Ausgaben – im Jahre 1779

Aufgestellt von der neu gewählten Mutter Bonaventura Biller von Sipplingen
Die Rechnung zeigt uns auch auf, wie einfach und ärmlich das Leben im Kloster hier gewesen sein muss.

Die gesamten Einnahmen des Klosters im ganzen Jahre beliefen sich auf 541 fl.59 Kr. Und 1 Pfg. Darunter sind noch 100fl. Einnahme für einen verkauften Wald in der Gemarkung Bonndorf.
Kapitalzins nimmt das Kloster ein 27fl. 27 Kr.
Für Haber und Obst erlöst der Konvent 20fl. 12 Kr., für Wein 93fl., für Branntwein 4fl. 57 Kr., für Skapuliere und Rosenkränze nimmt das Kloster ein 26fl. 11 Kr., für Pulz Stötzlein (Pulswärmer) und Strümpfe Strickerlohn 12fl. 55 Kr. Gespinst und Leinwand verkaufen die Schwestern für 59fl., Eier für 4fl. 50 Kr.
Almosen erhielten die Schwestern im Jahre 1779 zusammen mit einer kleinen Erbschaft 116fl. 59 Kr., für Besorgung der Kirchenwäsche in der Pfarrkirche 12fl. 26 Kr., für Kostgeld von Pfründnern 28fl. 21 Kr.

Den Einnahmen stehen 502fl. 50 Kr. Ausgaben gegenüber, und zwar wurden die 100fl., die aus dem Wald gelöst wurden, als Grundstock angelegt.
Für Wachs und Öl in der Kapelle brauchten sie 21fl., für Fische, Frösche und Schnecken zum Freitagstisch 2fl. 18 Kr., für Fleisch im ganzen Jahr für den ganzen Haushalt des Klosters 14fl., Frucht gekauft 34fl. 39 Kr., für Handwerksleute 35fl. 22 Kr., für Taglohnarbeiten 16fl. 12 Kr., für die beiden Dienstboten (1 Klosterknecht und 1 Klostermagd) an Jahreslohn zusammen 22fl. 11 Kr., für Schmalz und Salz 20fl. 1 Kr., Schulden abbezahlt 8fl. 19Kr., Almosen an der Pforte und allgemeine Ausgaben 23fl, 41 Kr.

Um diese Zeit waren noch 7 Schwestern im Kloster.

Gründungsurkunde Klösterlein zu den „Erlen“ 18. Juni 1393

„Ich Burkhardt von Hohenfels und Walther von Hohenfels Gevatteren und die Gepurschaft gemeinlich zu Sipplingen tun kundt allen denen, die diesen Brief ansehen oder horent lesen: Dass Bruder Konrad Keller von Steißlingen, Priester uns gebeten hat, dass wir hier ein Hofstattlein durch Gottes willen in dem Lutzental gelegen in den Erlen, die unser aigen sind, dass er darauf ein Haus oder Cappell gebauen möchte. Dass er und all seine Nachkommen Gott möchten dienen in einem armen Leben. Dies sind wir gemainiglich zu Rath worden, und haben ime eine Hofstatt geleihen in dem Lutzental zu den Erlen, doch mit seinlichem Geding: dass er uns jahrlichs und auch seine nachkommen zwei Pfennig Sendzins geben von der Hofstatt.

Wir wend, das niemandts Bruder Hansen Blochenlo von der Hofstatt vertreybe, wann er auch mitstiffter ist gesinder Hofstatt, dieweil er that, dass er von Recht thun soll. Wäre auch, dass wir von Sipplingen oder andere Leuit ein ewig Licht oder ander Geld und Gut an die Capell geben, wann dann das geschehe, dass die Cappell gezwiest (=verwaist)wurde oder abgienge, was dann die Cappell ewigs Zins hätte, das soll dan herabfallen an St. Martin und an St. Georg und an andere Heiligen, die gnädig seind in der Külchen zu Sipplingen. Wäre aber, dass die Cappell wieder gebauen wurde, so solle dasselbig ewig Geld wieder an die Cappell fallen, die in den Erlen gestiftet.

Und die Cappell soll auch ein Külchherrn und Leutpriester und der Külchen zu Sipplingen unschädlich sein allen iren Rechten. Und die Brüder oder wer da wäre, soll inen auch gehorsam sein in allen Dingen, in denen sie ihnen von Recht sollen gehorsam sein. Wäre auch, dass die Brüder alle abstürben, davor Gott seye, das send wir alles durch Gottes Willen gen armen leuth. Auch ist zu wissen, dass die vorgenannt Hofstatt eine arme Hofstatt sollbleiben, dass da nimer ein ewig Pfründ noch gestift noch Meß soll werden noch in weltlicher Leut Hand nimmer soll kommen, noch von niemand verkauft werden, denn sie geliehen würt. Wann die Hofstatt soll immer mehr ewiglichen, armen Menschen warten, die da Gott dienen sollen in einem armen leben.

Es ist auch zu wissen, dasswir die vorgenannten Hohenfels noch ehain unser Nachkommen die vorgenannte Hofstatt nicht sollen leihen an die Gepaurenschaft von Sipplingen noch ie Gepaurschaft solle auch nit leihen an die Herrschaft von Hohenfels.
Me seind die Hofstatt gemeiniglich miteinander gleich. Und zu wahrer Urkund aller vorgenannten Dinge haben wir die vorgenannten Hohenfels Ritter unser Insiegel für uns und all unser Nachkommen gehangen an diesen Briefe.

Dazu hab auch ich der vorgenannte Bruder Konrad mein eigen Insiegel gehängt zu einem wahren Urkund stet und fest zu halten aller vorgeschriebenen Dinge“.